An der Südhangbebauung oberhalb der Friedrichstraße standen wir kürzlich vor einer klassischen Velberter Situation: verwitterter Tonschiefer auf der einen Seite, aufgefüllter Kolluviumboden auf der anderen, und der Höhensprung zur Nachbarbebauung erforderte eine Stützwand von fast vier Metern. In solchen Fällen reicht kein Standardansatz. Wir haben in unserem Labor in Velbert die Restscherfestigkeit des Schiefers im Triaxialversuch bestimmt und parallel die Hinterfüllung auf Frostempfindlichkeit geprüft. Die Stützwandbemessung muss hier den Übergang zwischen Festgestein und Lockermaterial exakt abbilden, sonst kündigt sich der Schaden nicht durch Risse an, sondern durch schleichende Verformung im Hang. Mit einer sorgfältigen Kombination aus Laborparametern und örtlicher Erfahrung lassen sich die Teilsicherheitsbeiwerte des EC7 so ansetzen, dass die Konstruktion wirtschaftlich bleibt und trotzdem die geforderten 50 Jahre Nutzungsdauer erreicht.
In Velbert entscheiden oft die ersten zwei Meter unter GOK über den Bemessungsansatz – Verwitterungsdecke und Festgestein verhalten sich statisch völlig unterschiedlich.
Lokale Besonderheiten
Die Stadtentwicklung Velberts folgte historisch den Bachtälern, erst später drang die Bebauung in die Hanglagen vor. Heute liegen viele Grundstücke in zweiter oder dritter Reihe am Hang, mit Stützwänden, die oft noch aus den 1960er Jahren stammen und ohne statischen Nachweis errichtet wurden. Das Hauptrisiko bei der Stützwandbemessung in Velbert ist die unerkannte Wasserführung im Hangschutt. Schon ein verstopfter Drainagestrang kann den Erddruck verdoppeln und eine rechnerisch sichere Wand zum Versagen bringen. Dazu kommt die Frosttiefe von mindestens 80 cm, die in exponierten Lagen eine rückwärtige Frostschürze zwingend macht. Wir sehen in Velbert immer wieder Schäden an Winkelstützwänden, bei denen der Sporn zu kurz bemessen wurde und die Sohlfläche auf dem verwitterten Schiefer zu wenig Reibungswiderstand mobilisiert. Die Bemessung muss hier den charakteristischen Reibungswinkel konservativ ansetzen, insbesondere wenn der Schiefer bei Wasserzutritt zu tonigem Zersatz zerfällt.
Geltende Normen
DIN EN 1997-1:2014 (Eurocode 7 – Entwurf, Berechnung und Bemessung), DIN 1054:2021 (Baugrund – Sicherheitsnachweise im Erd- und Grundbau), DIN EN 1998-5:2010 (Eurocode 8 – Gründungen, Stützbauwerke), DIN 4085:2017 (Baugrund – Berechnung des Erddrucks), DIN 4095:1990 (Baugrund – Dränung zum Schutz baulicher Anlagen)